Literature (Germany,Deutsch)

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Der Sammler (Morris Alfouani 1992-1993)
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DAS TRUNKENE SCHIFF
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Hinab glitt ich die Flüsse, von träger Flut getragen,
da fühlte ich: es zogen die Treidler mich nicht mehr.
Sie waren, von Indianern ans Marterholz geschlagen,
ein Ziel an buntem Pfahle, Gejohle um sich her.

Ich scherte mich den Teufel um Männer und um Frachten;
wars flämisch Korn, wars Wolle, mir war es einerlei.
Vorbei war der Spektakel, den sie am Ufer machten,
hinunter gings die Flüsse, wohin, das stand mir frei.

Derweil die Tide tobte und klatschte an den Dämmen,
flog ich, und es war Winter, wie Kinderhirne stumpf,
dahin. Und wär es möglich, daß jemals Inseln schwämmen,
kein solcher Gischt umbraust' sie, kein ähnlicher Triumph.

Ein leichter Korken, tanzt ich dahin auf steiler Welle:
die erste Meerfahrt haben die Stürme benedeit.
Von solcher Welle heißt es, sie töte und sie fälle -
Die albernen Laternen der Häfen blieben weit!

So süß kann Kindermündern kein grüner Apfel schmecken,
wie mir das Wasser schmeckte, das grün durchs Holz mir drang.
Rein wuschs mich vom Gespeie und von den Blauweinflecken,
fort schleudert es das Steuer, der Draggen barst und sank.

Des Meers Gedicht! Jetzt konnt ich mich frei darin ergehen,
Grünhimmel trank ich, Sterne, taucht ein in milchigen Strahl
und könnt die Wasserleichen zur Tiefe gehen sehen:
ein Treibgut, das versonnen und selig war und fahl.

Die Rhythmen und Delirien, das Blau im rauchigen Schleier,
verfärbt sind sie im Nu hier, versengt sind sie, verzehrt:
so brannte noch kein Branntwein, kein Lied und keine Leier,
wie hier das bittre Rostrot der Liebe brennt und gärt!

Ich weiß, wie Himmel bersten, ich kenn die Dämmerungen,
die Strömung und die Dünung, die Woge, die sich bäumt,
die Früh - verzückt wie Tauben, die sich emporgeschwungen,
und manchmal sah mein Auge, was Menschenauge träumt.

Ich sah die Sonne hängen - mystisch geflecktes Grauen,
und violett, geronnen. Leuchtstreifen, endlos weit,
und sah die Fluten schaufeln und groß die Bühne bauen,
ein Schauspiel sah ich spielen, das alt war wie die Zeit!

Im Traum sah ich die Schneenacht, die grüne, sich erheben:
ein Kuß stieg zu den Augen der Meeres-Au empor.
Ein Kreisen wars von Säften, ein unerhörtes Weben,
und blau und gelb erwachte der singende Phosphor!

Ich folgt und folgt der Horde von wildgewordnen Kühen:
der See, die Klippen stürmte, folgt ich auf ihrem Ritt.
Vergessen wart ihr, Füße der leuchtenden Marien:
hier keuchten Meeresmäuler - sie schloß kein Heiligentritt!

Wißt ihr, ich lief auf Land auf, wie ihrs nicht schaut im Traume:
Des Menschenpanthers Augen - den Blumen beigesellt!
Ich sah im weitgespannten, im Regenbogenzaume
flutgrün die Herden ziehen am Grund der Meereswelt.

Ich sah, wie's in den Sümpfen, den Riesenreusen, gärte,
darin den Leviathan, verwesend zwischen Tang.
Und Wasserstürze sah ich, wo sich die Stille mehrte,
und schaute, wie die Ferne zur Tiefe niedersank!

Sah Gletscher, Silbersonnen, Gluthimmel, Perlmuttfluten,
den braunen Golf, wo greulich ein Wrack beim andern steht,
und sah die Riesenschlange, ein Fraß der Wanzenbruten,
vom Krüppelbaume fallen, von schwarzem Duft umweht!

Wo seid ihr. Kinderaugen, zu schaun die Herrlichkeiten?
Das Schuppengold der Welle, den Goldfisch, der da singt!
- Dies schaumumblühte Driften, dies Zwischeen-Blumen-Gleiten!
Der Wind, der Wind unsäglich, der meine Fahrt beschwingt!

Und litt ich Pein, der Pole und Wendekreise müde,
so schluchzt' es in den Wassern, ich schlingerte dahin,
mit gelbem Saugnapf tauchte empor die Schattenblüte -
ein Weib, so blieb ich liegen, ein Weib auf Weibesknien.

Gewölle und Gezanke hab ich an Bord genommen,
ich war das Vogel-Eiland - blond äugte, was da flog.
Ich trieb mit loser Spante, ich schwamm und ward durchschwommen:
ein Leichnam um den andern, der rücklings schlafwärts zog.

Und ich - verstrickt, verloren im Haar geheimer Buchten,
hinauf ins Vogellose geworfen vom Orkan:
sie fahren nicht, die Klipper, die Koggen, die mich suchten,
des wassertrunknen Rumpfes nimmt sich kein Schlepptau an.

Frei war ich und ich rauchte, von Nebelblau bestiegen,
ich stieß durch Feuerhimmel, ich stieß sie alle ein,
und was den Dichtern mundet, das fühlt ich auf mir liegen:
es waren Sonnenflechten, es war azurner Schleim.

Ich - mondgefleckt, elektrisch: die tollgewordne Planke!
Seepferdchen kam in Scharen und war mein schwarzer Troß.
Ihr Himmel blau und tiefblau, ich sah euch alle wanken,
ich sah, wie euch der Juli durch Glutentrichter goß!

Der Behemoth, der Mahlstrom durchstöhnte jene Breiten,
ich spürte beider Brunstlaut - ein Schauder ging durch mich,
ich schwamm und schwamm durch blaue, durch Regungslosigkeiten -
Europa, deine Wehren, die alten misse ich!

Und ich sah Inselsterne, sah Archipele ragen,
darüber Fieberhimmel - das Tor der Wanderschaft!
- Hats dich dorthin, ins Nächtige und Nächttigste verschlagen,
du goldnes Vogeltausend, du künftige, du Kraft?

Doch wahr, genug des Weinens! Der Morgen muß enttäuschen.
Ob Nacht-, ob Taggestirne, keins, das nicht bitter war:
ich schwoll von herber Liebe, erstarrt in Liebesräuschen -
O du mein Kiel, zersplittre! Und über mir sei, Meer!

Und gab es in Europa ein Wasser, das mich lockte,
so wärs ein schwarzer Tümpel, kalt, in der Dämmernis,
an dem dann eins der Kinder, voll Traurigkeiten, hockte
und Boote, falterschwache, und Schiffchen segeln ließ'.

Wen du umschmiegt hast, Woge, um den ist es geschehen,
der zieht nicht hinter Frachtern und Baumwollträgern her!
Nie komm ich da vorüber, wo sich die Fahnen blähen,
und wo die Brücken glotzen, da schwimm ich nimmermehr!
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KRIEG
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Ich sehe dem Tier zu wie es sich leckt
Um besser ringsum alles zu begatten
Seine Augen die sturmflutfarbnen
Sind plötzlich der Sumpf der den Bodensatz und die
schmutzige Wäsche anlockt
Der Sumpf der seit jeher die Menschen zum Stehn bringt
Der Sumpf mit seiner kleinen Place de l'Opéra im Bauch
Denn das Lichtergeflirr ist der Schlüssel zu den Augen des Tieres
Das sich leckt
Und seine Zunge
Hervorgeschnellt nie weiß man im voraus wohin
Ist der Platz wo die Gluten einander begegnen
Von untenher betrachte ich seinen Gaumen
Aus Lampen in Säcken bestehend
Und unter dem Königsblau seiner Wölbung
Aus entgoldeten Armbrüsten perspektivisch ineinandergestellt
Während umherjagt sein Atem der aus der ins Unendliche münden-
den Verallgemeinerung eines jener Elenden entstanden ist die
sich mit nacktem Oberleib auf dem Marktplatz zur Schau stel-
len um Petroleumfackeln unter herben Groschenregen zu verschlucken
Erglänzen die Pusteln des Tieres inmitten der Hekatomben
jener junger Männer an denen die Zahl sich vollfrißt
Die Flanken geschützt durch die spiegelblanken Schuppen die
man Armeen nennt
Gebläht und sich tadellos drehend in ihren Scharnieren
Und doch nicht minder zusammengehörend als Hähne die im
Morgengrauen einander beschimpfen von Haufen von Mist zu
Haufen von Mist
Es gebricht an Gewissen und doch gibt es solche die immer noch
sagen es werde der Tag noch anbrechen
Das Tor - das Tier wollte ich sagen leckt sich unter dem Flügel
Und im Dunkel einer Taverne sieht man Spitzbuben sich
krümmen ich frage ist es vor Lachen
Das Trugbild aus dem man die Güte gemacht geht zurück auf
sich selber
Es ist eine Quecksilberader
Leicht zu verschlucken auf einmal
Ich glaubte das Tier wende sich her zu mir ich habe den
Schmutz des Blitzes wiedergesehen
Wie ist es weiß in seinen Membranen im lockern Gehölz seiner
Birken da wo man liegt und man lauert
Im Tauwerk seiner Schiffe an deren Bug eine Frau in die Wellen
taucht aufgeputzt mit einer grünen Maske die ihr die Ermüdun-
gen der Liebe schenkten
Falscher Alarm das Tier legt seine Klauen um die Brüste wie
eine Krone die versteifbar ist
Ich bemühe mich nicht allzusehr zu taumeln wenn es den
Schwanz bewegt
Der eine schrägkantige Karosse und zugleich ein Peitschenhieb ist
Im beklemmenden Geruch der Sandkäfer
Auf seiner Streu mit schwarzem Blut und Gold besudelt
Wetzt es am begeisterten Baume des Grams das eine der Hörner
Die Spitze dem Mond zugekehrt
Reckt es sich in entsetzlichem Schmachten
Und geschmeichelt leckt das Tier sein Geschlecht ich habe nichts gesagt
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MONDSCHEIN
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Mond, Honig auf den Lippen der Irren, fließt du sacht!
Ihr nimmersatten Gärten und Weiler heute nacht!
Schön schwärmen die Gestirne als Bienen durch das Blau.
Es trieft vom Weingeranke ein lichter Honigtau.
Denn wie aus Himmelshöhen er leis herniederglitt,
bracht' jeder Strahl des Mondes die Honigwabe mit.
Ich aber folg verstohlen dem süßen Abenteuer:
Arktur hat einen Stachel, mir bangt vor seinem Feuer.
Er legt' in meine Hände die Waben, die mich trogen;
den Seim hat aus der Rose der Winde er gesogen.
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ZEICHEN
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Es ist der Herbst der Meister des Zeichens, das mich lenkt:
mein Herz weilt, wo die Früchte, nicht wo die Blumen sind.
So ist mir leid um jeden der Küsse, die ich schenkt:
Die Nuß ward abgeschlagen, der Nußbaum klagt's dem Wind.

Du ewige, du Herbstzeit, du der Gedanken Jahr:
die Hände, die mich liebten, du häufst sie ohne Zahl.
Ein Schatten folgt: die Frau ist's, die mein Verhängnis war.
Am Abend fliegt die Taube, sie fliegt zum letztenmal.
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SALOME
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Auf daß noch einmal lächle der Mund Johann Baptists,
tanz, König, ich vor dir nun als wie die Seraphim,
So traurig seid Ihr, Mutter, so sagt mir doch: Was ists? Dem Prinzen steht zunächst Ihr, als Gräfin folgt Ihr ihm!

Wie schlug mein Herz, wie schlug es so laut bei seiner Red,
als ich im Fenchel tanzte, ihm einzig zugewandt!
Ich wirkt ein Band, das hab ich mit Lilien ausgenäht:
am Knaufe seines Stabes sollts flattern, dieses Band. . .

Für wen soll ich nun wirken ein Band wie jenes war?
Am Jordanufer blüht er nun wieder, dieser Stab. . .
Gegriffen hat, Herodes, ihn deine Söldnerschar!
Den Lilien meines Gartens fiel BIüt um Blüte ab.

So folg ins Kreuzgehölze mir jetzt der ganze Hauf!
Du hübscher kleiner Hofnarr, du lachst doch wieder bald?
Statt deiner Schellenkappe setz dieses Haupt hier auf.
Rührt nicht an seine Stirne, Frau Mutter: sie ist kalt.

Der König folg als erster, dann, Hofleut, folget ihr.
Wir heben ihm ein Loch aus und legen ihn hinein
und pflanzen drüber Blumen und schlingen einen Reihn.
Doch dann will ich drehen, bis ich den Strumpf verlier,

Du, König, die Tabaksdose beim Tanz,
die Infantin den Rosenkranz
und der Herr Pfarrer sein Brevier.
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SCHINDERHANNES
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Für Marius-Ary Leblond


Im Wald, wo er die Rast befohlen,
liegt Schinderhannes mit der Schar.
Im Mai muß man vor Liebe johlen -
so lagern sie hier, Paar bei Paar.

Dem Jacob Born sitzt was im Blute:
er prüft, ob jeder Schuß auch trifft,
und zielt nach Benzels spitzem Hute -
der liest mit Fleiß die Heilge Schrift.

Das Julchen rülpst, daß Gott bewahre -
und klagt, daß sie den Schlucken hat.
Dem Hannes ist ein Ton entfahren,
weil Schulz mit einem Zuber naht.

Er ruft (und seine Tränen fließen):
O Zuber mit dem duftgen Wein!
Wenn wir auch heut dran glauben müssen -
der Mai wird ausgetrunken sein!

Mamsell, herbei und gib dir Mühe!
Der Kräutlein gibts ein ganzes Schock.
aus Moselwein ist diese Brühe -
Prost, Räuberchen im Unterrock:

Frau Räuberin hat schief geladen:
sie will den Hanns, doch der hat Zeit:
Mit der Amour kanns Weile haben -
ein leckrer Bissen wär gescheit!

Denn heut, wenns dunkel wird am Rheine,
bring ich den reichen Juden um.
Hell glänzt, wenn harzge Fackeln scheinen,
als Gulden jede Maienblum!

So hält man Tafel rund im Kreise
und f. . .t und lacht beim Abendschmaus,
und wird ganz schwach, nach deutscher Weise,
und geht und bläst ein Leben aus.
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DER ABSCHIED
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Ich pflückt den Halm vom Kraut der Heide.
Der Herbst ist tot - sei eingedenk.
Auf Erden scheiden wir nun beide.
O Duft der Zeit, o Halm der Heide.
Und daß ich warten werde, denk.
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DIE HERBSTZEITLOSEN
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Der Herbst läßt seine Wiese so schön, so giftig blühen.
Ein Gift, das schleicht,
Streut er den Kühen.
Die Herbstzeitlose blaut hier, wie Augenring und Flieder,
Ich seh die blasse Bläue, ich seh dein Auge wieder,
Es gleicht der blau umflorten, es gleicht dem Herbst, dem Jahr,
Das Gift steigt in mein Leben, so wills dein Augenpaar.

Jetzt kommt hier aus der Schule das Kindervolk vorbei,
Es kommen bunte Röcke, Harmonika, Geschrei.
Die Tochter ist und Mutter, die Herbstzeitlose, die
So schimmert wie dein Auglid - die Kinder pflücken sie,
Sie pflücken Augenlider im Wind, im irren Wind.

Der Kuhhirt summt ein Liedchen, die Herde, sie beginnt
Davonzutrotten, muhend, verlassen ist der Ort,
Die Wiese, wo der Herbst stand und Blumen da und dort.
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GEBET
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Glutschädel gib uns, Schädel
versengt von Himmelsstrahl,
klaräugig, wirklich und wahr,
durchwest von dir.

Laß uns die Leibesfrucht sein
der Innenhimmel,
reiß Abgrund um Abgrund durch uns,
fahr mit dem Nagel drein,
laß ihn Wirbel und Weißglut sein.

Wir hungern
nach schütterndem Sternraum:
still unsern Hunger.
Gieß uns die Blutbahn voll
mit Sternenlaven.

Mach uns los.
Zerteil uns
mit schneidender Gluthand.
Schließ uns auf
das Brandgewölbe, darin
man über den Tod hinausstirbt.

Laß unser Hirn erbeben
tief im Gewußten.
Raub uns unsre Vernunft
mit den Fängen der neuen
Taifune.
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EPITAPH
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Ich bin der Tote, der durch jene Zeiten schritt.
Vor tausend Jahren. Aufrecht und gejagt.
Das Menschliche, von Mauern war's umragt.
Vermummte Sklaven rings - ich lebte mit.

In jenen Zeiten lebt ich - lebt ich frei.
Mein Auge sah die Erde, es sah zum Himmel auf,
ich sah, wie alles kreiste, ich sah den Wasserlauf.
Die Blüte gab den Honig, der Vogel zog vorbei.

Mit alledem, ihr Menschen, was fingt ihr damit an?
Die Zeit, in der ich's schwer hatt', tragt ihr sie noch im Sinn?
Sät ihr die Saat gemeinsam und erntet jedermann?
Ist sie durch euch jetzt schöner, die Stadt, aus der ich bin?

Ihr Lebenden, ich leb nicht, ihr braucht nicht bang zu sein.
Mein Leib, er lebt nicht weiter, mein Geist nicht, nichts, was mein.
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DIE CYDALISEN
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Die liebenden Geliebten,
wo sind sie? Gräberfern.
Sie sind die Seiligeren,
sie wohnen gut und gern.

Sie sind in Engelsnähe,
ihr Haus - im tiefsten Blau,
sie singen Lob und Preisung
Unsrer Lieben Frau.

O Bleiche, mir Verlobte!
O Jungfrau kaum erblüht!
Ich ließ dich deiner Liebe,
am Schmerz bist du verglüht!

O Ewigkeit, o tiefe,
die aus dem Aug dir sprach.
O Fackel Welt, erloschen -
im Himmel neu entfacht!
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NOUS AVONS FAIT LA NUIT
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Die Nacht ist begangen, ich halt deine Hand,
ich wache, ich stütz dich
mit all meinen Kräften.
Ich grabe, tiefes Gefurch, deiner Kräfte
Stern in den Stein: deines Körpers
Gütigsein - hier
soll es keimen und aufgehn.
Ich sage mir deine
Stimmen vor, beide, die heimliche und
die von allen gehörte.
Ich lache, ich seh dich
der Stolzen begegnen, als bettelte sie, ich seh dich, du bringst
den Umnachteten Ehrfurcht entgegen, du gehst
zu den Einfachen hin - du badest.
Leise
stimm ich die Stirn jetzt ab auf die deine, stimm sie
in eins mit der Nacht, fühl jetzt
das Wunder dahinter: du wirst mir
zur Unbekannt-Fremden, du gleichst dir, du gleichst
allem Geliebten, du bist
anders von Mal zu Mal.
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RONDEL
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Willst du's, solls die Liebe sein,
Du, dein Mund, wir sagens nicht,
Schenkst der Rose Schweigen ein,
Bittrer, so du's unterbrichst.

Lieder, willig, schicken kein
Lächeln, sprühen uns kein Licht,
Willst du's, solls die Liebe sein,
Du, dein Mund, wir sagens nicht.

Stumm-und-stumm, hier zwischenein,
Sylphe, purpurn, kaiserlich,
Flammt ein Kuß, schon teilt er sich,
Flügelspitzen flackern, fein,
Willst du's, solls die Liebe sein.
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DER TOD DER ARMEN
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Der Tod ists, ach, der tröstet, er flößt dir Leben ein;
wohin du lebst, da ist er, er ist die Zuversicht,
die zaubrisch in dir hochsteigt, berauschend wie ein Wein:
das Herz trinkt sich hier Mut zu - eh's Nacht wird, stockt es nicht.

Wenn dich die Wetter peitschen. Reif fällt und Flocke weht,
ist er der Schwärze Lichtsaum, auf ihn hältst du dann zu,
ist er der Krug, die Gaststatt, von der geschrieben steht,
hier seien Tisch und Speise, das Lager und die Ruh.

Er ist der Schlummerengel, sein Finger zieht und bannt,
das Träumen und Entrücktsein, er schenkts und teilt es aus,
und wer da arm und bloß ist, den bettet seine Hand.

Er ist der Götter Glorie, das speichernde, das Haus,
der Armen Zehrung ist er und ist ihr Heimatland,
er baut die Säulengänge zu Himmeln ungekannt.
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UND SOLLT ER WIEDERKOMMEN
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Und sollt er wiederkommen einst,
was tu ich ihm dann kund?
- Dass Wartens viel gewesen ist,
bis hin zu dieser Stund.

Und wenn er fragt und weiterfragt
und kennt und kennt mich nicht?
- Dann hat ers schwer, dann sprich zu ihm,<
wie eine Schwester spricht.

Und wenn er Ort und Aufenthalt
und alles wissen will?
- Dann gib ihm meinen Ring aus Gold
und red nicht und sei still.

Und merkt er, dass sich nichts hier regt
und will von mir Bescheid?
- Die Lampe zeig ihm, die nicht brennt,
> die Tür sperrangelweit. . .

Und fragt er, wie's in letzter Stund
um dich bestellt mocht sein?
- Ich hätt aus Angst gelächelt, sag,
ich wollt nicht, dass er wein. . .
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AUFGEREIHT alle Finger, denkwürdig,
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Nichts entvollendet den Handschuh,
rot, rissig geworden
von aus der Welt
ausgesperrten Welten,

Nie mehr das Weite, nie mehr Entsetzen, aus-
buchstabiert, Schlangen-
Sprache,
namenzerstört, seinszerstört,
die eindringt durchs Bruchstück einer
Mittalter-Schnalle ins Rätsel,
wo als Fingergedächtnis wachsen
der Aufschwung, die Bronchie.
_____________________________________________________________________Morris Alfouani___


Создан 09 мар 2005



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